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Satire

Sozialistische Dichter

Noch immer haben wir Helden als Dichter,
teils listig, teils kühn, teils abgefeimt,
sie schneiden heroische, kühne Gesichter,
doch was sie dichten, ist ungereimt,
sie sitzen am Teetisch und werden paretisch,
doch was sie schreiben, ist immer pathetisch.

Gegen die Feinde werden die Griffel gewetzt,
und ruft man auch dreimal: Eleison!
Es wird gespuckt, gegiftet, gehetzt,
denn die, die das angeht, sitzen in Bonn,
und Bonn ist weit und die Mauer lang,
da wird dem sozialistischen Dichter nicht bang.

Und ist er klug, ist er gegen die Pfaffen
und ihre entsetzliche Tyrannei.
Erst hat er den Buhmann sich erschaffen,
dann wirft er mit Dreck nach dem Konterfei.
Mutig - gewitzt versetzt er ihm Hiebe
und entledigt sich so sadistischer Triebe.

Hat er sich endlich davon befreit,
gebärdet er sich wie ein blökendes Schaf.
Wo' s ungefährlich ist, sucht er Streit,
doch vor der Stasi gibt er sich brav.
Denn so liegt er richtig, so liegt er nicht schief,
so schreibt und bleibt er stets positiv.

(1965)

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